Eigentlich wollte ich an diesem extrem heißen Sommertag nur mit meinem Hund Pantteri spazieren gehen. Wir hatten uns ausgerüstet mit ein paar Snackmöhrchen, etwas Eistee und Hundewasser. Doch dann sah ich sie und mein Jagdtrieb war sofort geweckt: riesige Brombeerbüsche, voll mit reifen Früchten.
Nun konnte ich mich endlich rächen für den Winter, wenn diese Pflanzen völlig unscheinbar auf dem Boden liegen und plötzlich ihre Lianenarme nach einem ausstrecken und man jedes Mal ins Straucheln kommt und, wie in meinem Fall, auch häufiger auf der Nase landet. Gut, vielleicht übertreibe ich an dieser Stelle ein wenig, aber für mich fühlt es sich stets so an, als würde dieses Gestrüpp einen wirklich verfolgen und Fallen stellen.
Aber ich schweife ab: zurück zu meiner Beerenflut.
Ratzfatz hatte ich die Möhren als edle Spende an die Waldbewohner aus der Dose gekickt und angefangen, die dunklen, fast schwarzen Beeren zu pflücken. Wusstet ihr eigentlich, dass dieser intensive Farbton für einen hohen Anteil an Anthocyanen spricht? Anthocyane gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen und werden aufgrund ihrer antioxidativen Eigenschaften wissenschaftlich untersucht. Sie können mit freien Radikalen reagieren – genau das macht sie für die Forschung rund um oxidativen Stress so interessant.

Kein Sieg ohne Verluste
Leider haben die Brombeeren auch im Sommer nichts von ihrer Streitlust verloren. Wenn man denkt, man könne einfach, wie in der Fernsehwerbung lächelnd, ein paar Beeren pflücken, ist man einem großen Irrtum aufgesessen. Die Büsche kämpfen mit allen Mitteln: Stacheln, die deine Hände und Arme zerkratzen und zur Belohnung mit ihren Widerhaken in deiner Haut oder Hose stecken bleiben, oder Verschlingungen, in denen du dich verfängst und kurz in Panik gerätst, weil du denkst, da kommst du nicht mehr raus.
Während meines Kampfes hat Pantteri sich in sicherer Entfernung in die Sonne gelegt und mich mit einer Mischung aus Skepsis und Schadenfreude beobachtet. Auf seine Unterstützung konnte ich in keiner Weise hoffen, nicht einmal mental.
Dabei haben Brombeeren auch in der tierischen Pflanzenheilkunde einiges zu bieten. Dein Hund darf gelegentlich ein paar reife Brombeeren fressen, sofern er sie gut verträgt. Sie liefern unter anderem Vitamine, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Aber Achtung: Auch bei den gesunden Früchtchen gilt: weniger ist mehr. Vor allem bei kleinen Hunden sollten Brombeeren nur als gelegentlicher Snack und nicht gleich schüsselweise im Napf landen. Jetzt im Sommer kann man sie übrigens einfrieren und dem Hund als kleine fruchtige Erfrischung anbieten.
Hat dein Hund Vorerkrankungen, etwa der Nieren oder Leber, oder benötigt er eine spezielle Diät, solltest du neue Lebensmittel sicherheitshalber vorher mit deinem Tierarzt oder deiner Tierärztin absprechen.
Interessant sind außerdem die Blätter der Brombeere. Sie enthalten Gerbstoffe und werden in der Pflanzenheilkunde genutzt. Bekannt ist unter anderem die Verwendung bei leichten Magen-Darm-Beschwerden sowie für Zubereitungen im Mund- und Rachenraum. Solche traditionellen Anwendungen sind allerdings nicht mit einem wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweis gleichzusetzen.
Das Gute ist: Die Blätter lassen sich selbst sammeln, trocknen und beispielsweise für einen Tee verwenden. Bei der Anwendung für den Hund würde ich jedoch nicht einfach die Anwendung aus der Human-Pflanzenheilkunde übertragen. Hier sollten die Zubereitung und Dosierung vorher fachkundig abgeklärt werden. Beschwerden, die stärker sind oder länger anhalten, gehören ohnehin tierärztlich untersucht.

Aber all das juckte Pantteri heute nicht. Er entspannte sich einfach und betrachtete den ungleichen Kampf zwischen der Pflanze und mir.
Weitere Superkräfte der Brombeeren
Von der Brombeere kann man einiges für die heimische Wildkräuterküche verwenden. So kann man aus den Blättern natürlich, wie schon erwähnt, Tee herstellen. Das Getränk ist später einfach zubereitet: Für eine Tasse Tee benötigt ihr lediglich zwei gehäufte Teelöffel getrocknete Brombeerblätter, die ihr mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießt. Im Anschluss lasst ihr das Ganze etwa 15 Minuten ziehen – also kein Tee für Ungeduldige – und verfeinert ihn mit Zitrone und etwas Süße eurer Wahl.
Doch wie bereits gesagt, kann man die Blätter noch vielseitiger gebrauchen. Wenn sie jung und noch weich sind, eignen sie sich beispielsweise für die Wildkräuterküche und können entsprechend vorbereitet in Gemüselasagne, Pfannen- oder Ofengemüse verwendet werden. Junge, zarte Blätter lassen sich in kleinen Mengen für Salate nutzen. Die süßsauren Beeren wiederum kann man zu Desserts, Müsli, Kuchen, Marmeladen oder Sirup verarbeiten.
Aber haben die Beeren noch mehr zu bieten als ihren guten Geschmack? Und ob, da gibt es wirklich einiges aufzuzählen: Mit rund 5 Gramm Ballaststoffen auf 100 Gramm gehören Brombeeren zu den ballaststoffreicheren Obstsorten.
Über den Anteil an Anthocyanen hatten wir bereits gesprochen, aber sie enthalten zusätzlich Vitamin C, Kalium, Calcium und Magnesium, um wenigstens die wichtigsten zu nennen.
Aber das Beste: Auf besagte 100 Gramm Beeren kommen nur etwa 40 bis 45 Kalorien, rund 0,5 Gramm Fett und knapp 5 Gramm Zucker.

Wir trennten uns unentschieden.
Nach gefühlten Stunden beendete ich unseren Kampf mit einem fairen Unentschieden. Meine Snackbox war bis zum Rand mit leckeren Beeren gefüllt, mein Magen auch. Im Gegenzug hatte die Pflanze deutliche Spuren hinterlassen: So waren meine Hände und Arme völlig ramponiert, in meiner Hose befand sich ein Riss und von meiner Frisur will ich nicht einmal sprechen.
Zu Hause reinigte ich meine Beute und zauberte mir einen schlichten Sojajoghurt mit den Früchten. Mehr konnte ich nach dem Tag nicht mehr essen, da ich mir schon im Wald eine riesige Menge reingefuttert hatte.
Hier noch ein kleiner Tipp: Wild gesammelte Brombeeren solltet ihr vor dem Verzehr gründlich waschen, besonders dann, wenn ihr sie roh essen möchtet. Immer wieder hört man den Tipp, wegen des Fuchsbandwurms nur Früchte ab einer bestimmten Höhe zu pflücken. Eine sichere „1-Meter-Regel“ gibt es allerdings nicht. Und den Fuchsbandwurm braucht nun wirklich kein Mensch (oder Hund).
Leider habe ich diese Regel in meiner Gier gebrochen und mir schon direkt am Busch die eine oder andere Beere schmecken lassen. Jetzt hoffe ich, dass ich keine unerwünschten Mitreisenden verschlungen habe, und verspreche, es nie wieder zu tun.
Die restlichen Beeren habe ich übrigens eingefroren – eine wunderbar einfache Möglichkeit, um noch lange etwas von meiner Beute zu haben.

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