Selbstversuche mit ungewissem Ausgang

Die harte Wahrheit über grünen Tee

Während meiner Nachtarbeit habe ich mir eine echte Unart angewöhnt: täglich eine Dose Energydrink, natürlich ohne Zucker, man will ja nicht dick werden. Ohne dieses Getränk fühlte ich mich nicht fit und hatte das Gefühl, niemals richtig wach zu werden.

Vor ein paar Tagen habe ich dann diese Zeitschrift aufgeschlagen und den alles verändernden Bericht gelesen: Diese Drinks können meine Gewichtszunahme begünstigen, obwohl sie 0 Kalorien haben. Wie war das möglich?

Es lag unter anderem an dem Süßungsmittel: Das kann dem Gehirn durch den süßen Geschmack signalisieren, dass da gleich eine ordentliche Portion Energie kommt. Natürlich klappt die „Lüge“ nur bedingt. Ob und wie Süßstoffe den Appetit und Heißhunger beeinflussen, ist wissenschaftlich allerdings nicht ganz eindeutig. Auch auf die Darmflora können bestimmte Süßstoffe Einfluss nehmen – wie relevant das für unseren Stoffwechsel und unser Gewicht tatsächlich ist, wird noch erforscht.

Und als ob diese schlechten Nachrichten nicht ausreichten, wurde in dem Beitrag noch die letzte, für mich alles verändernde Hiobsbotschaft verkündet: Ein hoher Koffeinkonsum kann den Spiegel des Stresshormons Cortisol erhöhen. Und dauerhaft erhöhte Cortisolwerte können unter anderem Prozesse begünstigen, die eine Gewichtszunahme und Fettansammlung am Bauch fördern.

Als ob ich von diesem Teufelszeug, bedingt durch meinen unentspannten Lebenswandel, nicht schon genug hätte. Gab ich ihm doch die Schuld an meinem angewachsenen Bauchumfang – okay, es gab auch noch ein paar andere Übeltäter, aber Cortisol hatte ich als Hauptverursacher ausgemacht.

Schnell war die Entscheidung gefallen: Ab heute keine Energydrinks mehr.

Doch was war die Alternative? Kaffee war gut, aber wenn er im Laufe der Nacht kalt wurde, mochte ich ihn nicht mehr. Also habe ich mich durch verschiedene Internetseiten gewühlt und musste erkennen, dass man sich überall einig war: Grüner Tee sei die Lösung.

Kleines Problem: Das Zeug schmeckte mir nicht. Es war bitter und hatte einen ekelhaften Nachgeschmack.

Aber ich war ja offen für Neues. Schnell wurde klar, dass es unzählige Sorten und Varianten gibt: Matcha, Sencha, Bancha, Gunpowder, um nur einige zu nennen. – Ach du lieber Gott. Die hier erwähnten stammen überwiegend aus Japan, Gunpowder dagegen traditionell aus China, und sie werden unterschiedlich hergestellt, geerntet oder zubereitet. Jetzt war ich richtig verwirrt.

Wenigstens werden sie sortenübergreifend aus den Blättern des Teestrauchs (Camellia sinensis) hergestellt. Das bedeutet, dass die namentlichen Unterschiede vermutlich vor allem für echte Liebhaber interessant sind, aber bei Banausen wie mir reicht es anfangs, zu wissen, dass es grüner Tee ist. Beruhigend.

Die frisch geernteten Blätter werden nach der Ernte erhitzt, damit sie – im Gegensatz zu schwarzem Tee – kaum oxidieren. Bei japanischem Grüntee geschieht das meist durch Dämpfen, bei chinesischem häufig durch Erhitzen in Pfannen oder Trommeln. Dadurch werden Enzyme inaktiviert, die ansonsten die Oxidation vorantreiben würden. So behält der Tee bei der anschließenden Verarbeitung weitgehend seine grüne Farbe.

Obwohl das Getränk inzwischen in Europa, den USA, Teilen Afrikas und natürlich Asien getrunken wird, spielt grüner Tee schon lange eine Rolle in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), mit der ich mich auch während meiner Tierheilpraktiker- und Naturheilkundeausbildung häufig beschäftigt habe. Dort wird Tee seit Jahrhunderten bei verschiedenen Beschwerden eingesetzt.

In jedem Fall enthält grüner Tee unter anderem Polyphenole wie Catechine, Aminosäuren sowie verschiedene Mineralstoffe und Spurenelemente. Es gibt sogar Studien und Berichte, die einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Konsum von grünem Tee und einem geringeren Risiko für bestimmte Erkrankungen, unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einige Krebsarten, untersuchen. Ob und in welchem Umfang grüner Tee tatsächlich davor schützen kann, ist wissenschaftlich allerdings nicht abschließend geklärt.

Fest steht für mich zunächst einmal: Grüner Tee ist ein ziemlich interessantes Getränk. Allerdings gibt es auch hier ein kleines Aber. Die enthaltenen Gerbstoffe können die Aufnahme von Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln vermindern. Gerade wer sich vegan ernährt, sollte ihn deshalb besser nicht direkt zu eisenreichen Mahlzeiten trinken, sondern etwas Abstand dazwischen lassen.

Kurzer Schnellcheck – was sind Mythen und was können wir glauben?

Gehen wir der Sache doch etwas genauer auf den Grund.

🍵 Grüner Tee – Mythos oder Wahrheit?

🧬 Beugt Krebs vor?
Nicht bewiesen. Es gibt Hinweise auf mögliche schützende Effekte, eindeutige wissenschaftliche Belege fehlen bislang.

⏳ Hält jung?
Unklar. Katechine aus grünem Tee zeigten in Untersuchungen interessante Effekte – bisher unter anderem bei Fadenwürmern. Auf Menschen lässt sich das nicht einfach übertragen.

⚡ Macht wach?
Ja. Grüner Tee enthält Koffein und wirkt deshalb anregend.

🦷 Gut für die Zähne?
Ja. Grüner Tee enthält Fluorid, das zum Schutz der Zähne vor Karies beitragen kann.

⚖️ Hilft beim Abnehmen?
Nicht nachgewiesen. Grüntee ist leider kein Wundermittel für den Traumbody.

Kurz gesagt: Grüner Tee kann einiges – Wunder vollbringen kann er aber auch nicht.

Quelle für den Mythencheck: Stiftung Warentest, „Acht Mythen über grünen Tee im Check“.

Was muss ich nun machen, damit grüner Tee nicht wie alte Socken schmeckt?

Jetzt habe ich so viel über das Getränk gelernt, aber das größte Problem, den bitteren Geschmack, habe ich noch immer nicht aus der Welt geschafft.

Im Rahmen meiner Recherche wurden meine Fehler sofort klar: Die Wassertemperatur war definitiv zu hoch. Habe ich meinen grünen Tee doch genauso zubereitet, wie ich es mit schwarzem Tee oder Früchtetee gemacht habe. Kochendes Wasser und ab dafür. Dabei sollte das Wasser bei vielen Grüntees nur etwa 60–80 Grad haben. Man nimmt pro Tasse ca. einen Teelöffel Teeblätter. Okay, das deckt sich wieder mit dem Schwarztee. Aber jetzt kommt der entscheidende Punkt: Wir lassen ihn je nach Sorte nur etwa 1–2 Minuten ziehen, denn sonst kann – neben dem zu heißen Wasser – der unangenehme, bittere Geschmack entstehen.

Hättet ihr das gewusst? Und noch eine interessante Information: Wenn man ein hochwertiges Produkt hat, kann man die Teeblätter ohne Probleme ein- bis zweimal erneut aufgießen. Je nach Sorte können dabei Wassertemperatur und Ziehzeit etwas angepasst werden.

Erste Ergebnisse aus meinem Selbstversuch

Inzwischen trinke ich das Grüntee-Zeugs schon mehrere Tage. Auch wenn wahre Teeexperten sich jetzt schütteln (hier grüße ich besonders meine Mama, die einen Teeladen hatte und sich nun vermutlich fragen wird, ob ich überhaupt ihre Tochter bin), bin ich jetzt zu Anfang auf Teebeutel umgestiegen.

Ich nehme nur 70 Grad heißes Wasser und lasse ihn max. 2 Minuten ziehen, und was soll ich euch sagen: Er schmeckt mir richtig gut.

Ob ich mich in der Nacht wacher fühle? Vielleicht ein wenig, wobei ich mir nicht sicher bin, ob man sich das nicht auch einbildet. Die Trennung von meinen geliebten Energys fällt mir etwas schwer, aber es dauert ja immer ein wenig, bis man alte Gewohnheiten abgelegt und neue verinnerlicht hat.

Hier noch ein externer Link, wenn ihr mehr über die Mythen beim grünen Tee nachlesen wollt:

https://www.test.de/gruener-Tee-Wirkung-5864603-0/

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