Kreative Ideen

Alte Kleidung, neues Leben? Alles über Secondhand-Mode

Warum ich gebrauchte Klamotten liebe

Schon in meiner Jugend habe ich stets auf gebrauchte Kleidung gesetzt. Damals gab es in meiner Heimatstadt einen winzigen Secondhandladen, genau so aufgebaut, wie man ihn sich vorstellt: klein, dunkel, etwas schmuddelig, mit einer uralten Verkäuferin (vermutlich war sie in Wirklichkeit 50, aber als Teenager ist das ja bereits kurz vor dem Tod) und zwei puscheligen Pudeln. Später kamen dann Trödelmärkte dazu. Ich habe sie alle abgegrast, und weil mein Modegeschmack schon immer etwas außerhalb der Norm lag, wurde ich immer fündig – und das zu unglaublichen Preisen.

Auch heute liebe ich gebrauchte Kleidung. Etwa 80 % meines Kleiderschranks bestehen aus Secondhandmode. Trug ich damals eher schwarze und weiße Sachen, hat es mir heute bunte Hippie-Fashion angetan. Dort ist die Auswahl entsprechend gigantisch: von echter Vintage-Kleidung bis zu modernen, ausgemusterten Artikeln und meist zu einem fairen Preis. Den kleinen Secondhandladen gibt es schon seit Ewigkeiten nicht mehr. Dort ist inzwischen eine Pommesbude ansässig, und Trödelmärkte sind mir sonntags einfach zu früh. Daher kaufe ich heute auf entsprechenden Plattformen oder bei eBay und Kleinanzeigen.

Wie trifft man die richtige Wahl?

Das ist so pauschal nicht zu beantworten, denn die richtige Frage lautet: Wonach sucht man? Manche Menschen legen viel Wert auf Marken, bei denen man schnell auf Plagiate hereinfallen kann. Dieses Kriterium ist für mich eigentlich uninteressant. Allerdings habe ich für verschiedene Business-Termine zwei Damenanzüge von Hugo Boss erstanden. Hier habe ich auf der Plattform eine kostenpflichtige Echtheitsprüfung durchführen lassen, denn mir war wichtig, dass die nicht gerade günstigen, aber zeitlosen Anzüge auch in ein paar Jahren noch gepflegt aussehen.

Aber beim normalen Secondhandshopping gewinnt das, was gefällt. Da ist es für mich nicht wichtig, ob es modern oder von einem bestimmten Label ist. Allerdings lege ich auf eine Sache Wert: Ich versuche stets, keine Billigmarken zu kaufen. Warum das so ist? Das werde ich euch jetzt erklären.

Foto: Berenice Humpert

Das Problem mit der minderwertigen Fast-Fashion-Kleidung

Wenn ich früher meine gebrauchte Kleidung in den Container gebracht habe, hatte ich zwei Dinge im Sinn: Zum einen tat es mir leid, gute Sachen einfach wegzuwerfen, die vielleicht jemand anderem noch Freude machen könnten. Zum anderen wollte man natürlich auch etwas Gutes tun. Leider bin ich damit, wie so viele andere, einem Irrtum erlegen.

Was mit unserer Kleidung anschließend geschieht, wissen vermutlich die wenigsten. In Sortierbetrieben werden die Sachen von Hand oder maschinell in verschiedene Qualitätsstufen eingeteilt. Gut erhaltene Kleidung kann weiterverkauft werden, ein großer Teil gelangt jedoch auf internationale Secondhand-Märkte. Nicht mehr tragbare Textilien können beispielsweise zu Putzlappen oder Dämmmaterial verarbeitet werden.

Klingt auf den ersten Blick auch nicht schlecht: Man hilft Menschen in ärmeren Ländern und anderes wird recycelt.

Doch enttäuschenderweise ist das nur ein Teil der Wahrheit: Märkte wie der Kantamanto-Markt in Ghana ersticken fast in unseren ausrangierten Kleidungsstücken. Dort treffen wöchentlich rund 15 Millionen Kleidungsstücke ein, von denen etwa 40 % nicht wiederverwendbar sind. Doch was geschieht mit ihnen? Die Abfälle überlasten Deponien, werden offen verbrannt oder gelangen in Flüsse und ins Meer.

Aber wie kann das sein? Hier kommen mal wieder die vermögenden Industrieländer ins Spiel:

Dort werden immer mehr Klamotten produziert – weit über das hinaus, was wir wirklich brauchen. Kleidung hat zunehmend ihren Wert verloren, wird günstig produziert und ist entsprechend oft minderwertig. Man spricht von Einwegmode oder Fast Fashion.

So entstehen jedes Jahr weltweit rund 92 Millionen Tonnen Textilabfälle, von denen gerade einmal etwa 1 % recycelt wird. Und leider gehört Deutschland zu den fünf exportstärksten EU-Ländern für gebrauchte Kleidung, die unter anderem nach Asien und Afrika gelangt.

Du willst mehr darüber wissen? Dann besuche die Internetseite des Wuppertal Instituts, die mir auch als Quelle für diesen Abschnitt diente:

https://wupperinst.org/a/wi/a/s/ad/9156/

Darum kaufe ich diese Fast-Fashion-Mode nicht, auch nicht gebraucht. Dazu kommen die Qualitätsprobleme. Oft kann man sich bereits nach zwei Wäschen von diesen Dingen verabschieden und was passiert dann? Richtig, sie landen wieder im Müll.

Wie finde ich die richtige Kleidung für mich?

Foto: Berenice Humpert

Bei der Auswahl entscheiden, wie schon erwähnt, der eigene Geschmack und die Qualität. Wenn du wirklich auf alte Sachen stehst, also Mode, die bereits eine Geschichte erzählen könnte, ist Vintage die richtige Wahl. Wenn etwas mit diesem Begriff gekennzeichnet ist, sollte es mindestens 20 Jahre auf dem Buckel haben. Das ist besonders spannend, denn jedes Zeitalter hat seinen eigenen Stil, und diese Kleidungsstücke werden häufig – gerade wenn man sie modern kombiniert – einzigartig.

Unter Retro versteht man dagegen eher Klamotten, die einen früheren Stil wieder aufgreifen und ein Revival erleben. Kennt ihr noch die Oversize-Mode, die in letzter Zeit überall angeboten wurde? Das ist Retro aus meiner Jugend in den 90er-Jahren, als wir alle auf Grunge-Musik standen und in viel zu großen Karohemden und Pullovern durch die Gegend geschlichen sind.

Secondhand dagegen ist der Oberbegriff. Darunter kann man grundsätzlich alles zusammenfassen, was bereits einen Vorbesitzer hatte.

Was sollte ich beim Kauf beachten?

Das Blöde bei gebrauchter Kleidung ist, dass man sie natürlich nicht immer umtauschen kann. Daher solltest du in etwa deine Maße kennen. Okay, das erzählt euch jemand, der fast jeden zweiten Kauf im Schrank versteckt, weil er mir „noch nicht“ passt. Außerdem muss man die Sachen auf den Fotos und in der Beschreibung sehr genau prüfen. Niemand möchte sich schließlich mit defekten oder verdreckten Klamotten eindecken. Bei Unsicherheiten würde ich den Verkäufer in jedem Fall fragen.

Ich selbst lege sehr viel Wert darauf, dass die Sachen entweder neu oder wie neu sind, denn ich bin im Handarbeiten absolut untalentiert und kann nicht einmal unfallfrei einen Knopf annähen. Daher ist unbeschädigte Ware für mich besonders wichtig.

Das Bewertungsprofil des Verkäufers kann ebenfalls helfen. Sind die meisten Kunden zufrieden, kann man das Risiko bestimmt eingehen.

Foto: Berenice Humpert

Noch kurz ein paar Fakten?

  • Nach einer aktuellen Umfrage haben rund 55 % der Befragten angegeben, in den vergangenen zwölf Monaten gebrauchte Artikel gekauft zu haben. Dabei muss es sich nicht immer um Kleidung handeln: In die Umfrage wurden auch Musik, Games, Bücher, Schuhe und Elektronik einbezogen. Textilien waren allerdings der Spitzenreiter. (Quelle: Tagesschau.de)
  • Gerade der Kauf im Internet spielt eine große Rolle. Häufig werden dafür Secondhand-Plattformen wie eBay, Kleinanzeigen oder Vinted genutzt.
  • Die beiden häufigsten Gründe für den Gebrauchtkauf sind Sparen (ca. 64 %) sowie Umweltschutz und Nachhaltigkeit (ca. 49 %).
  • Je jünger die Menschen sind, desto selbstverständlicher kaufen sie Gebrauchtes. Da ist es nicht verwunderlich, dass Gen Z und Millennials (16–43 Jahre) die Spitzengruppe bilden, während die Generation 55+ und Senioren den kleinsten Anteil ausmachen.
  • Frauen kaufen häufiger Secondhand als Männer. Bei ihnen spielen auch das Jagdgefühl und der Spaß an der Schnäppchensuche oder der Suche nach dem ultimativen Einzelstück eine Rolle – das kann ich nur bestätigen.
  • Frauen kaufen überwiegend Mode und Deko, Männer mehr Technik und Sammlerstücke.

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