Und wieder habe ich einige Zeit ins Land verstreichen lassen, in der ich mich nicht aufraffen konnte, etwas für mich, für meinen Körper und für mein eigenes Wohlbefinden zu tun. Seltsam, dass man bei sich selbst immer so nachlässig ist, oder?

Aber an diesem Wochenende – wir waren noch zum Brunch eingeladen, und auch dort habe ich genüsslich zugeschlagen – reifte der Entschluss, dass ich ab Montag (ja, der berühmte Montag zum neuen Ich) durchstarten möchte. Nein, falsche Formulierung: durchstarten werde. Punkt.
Lecker oder Gesund?

Heute Morgen war er dann da, der besagte Montag, und ich fand die Idee plötzlich gar nicht mehr so gut. Nach acht Stunden Nachtschicht verlangte ich nach etwas Fettigem, Ungesundem, kurz: einem Seelentröster. Ich war hungrig, wollte etwas Deftiges in mich hineinstopfen, und in mir kämpften zwei Stimmen: Mr. Disziplin und Miss Ohne Mich. Verängstigt beobachtete ich das Duell, hing doch mein Schicksal von dieser Entscheidung ab.
Es ging um ein veganes Schnitzel mit Salat oder um eine Bowl mit weißen Bohnen und verschiedenen Hummussorten, dazu Möhrchen zum Dippen. Beides nicht zu 100 % ungesund, das Erste aber fast ohne Mehrwert. Zu meinem Schrecken gewann Mr. Disziplin, und ich mümmelte meine Karotten und das andere Zeugs. Zugegeben: Es schmeckte wirklich lecker, zumal ich die Bohnen mit ordentlich Chili zubereitet hatte. Aber wenn die Geschmacksnerven sich erst einmal auf fettiges Fast Food wie vegane Schnitzel eingestellt haben, ist das Bohnenzeugs nur ein schwacher Trost.
Das Sportprogramm startet – bei über 30 Grad.
Anschließend ging ich satt, aber noch immer etwas eingeschnappt, weil man mich um mein „richtiges“ Essen betrogen hatte, ins Bett, um noch einmal zwei Stunden zu schlafen. Als ich dann erholt – also so erholt, wie man bei einer Dachwohnung und sommerlichen 30 Grad eben sein kann – erwachte, setzte sich der selbstgewählte Albtraum fort. Nun stand Sport auf dem Stundenplan.

Ich blieb erst einmal liegen und dachte über meine Situation nach. Es gab zwei Möglichkeiten: Ich konnte endlich einsehen, dass ein wenig Übergewicht, dezente Atemnot beim Treppensteigen und schwabbelige Haut auch ihren Reiz hatten. Immerhin war ich inzwischen weit jenseits der 40, und da durfte man sich schließlich auch einen Altersbody leisten. Oder ich wählte die andere Seite. Die Seite, auf der man sich gesund fühlte, gerne an einem Spiegel vorbeiging, lange Spaziergänge keine Qual mehr waren und man sich nicht jeden Morgen alt, schwach und krank fühlte.
Was soll ich euch sagen? Mr. Disziplin hatte heute seinen großen Tag, und so schlüpfte ich in meine Sportklamotten. Die Hunde zogen jeweils ein Auge auf, betrachteten mich verwundert und entschieden dann, dass ich inzwischen anscheinend völlig verrückt war. Wer bewegte sich bei dieser Hitze schon freiwillig? Das war eine wirklich berechtigte Frage, aber jetzt war es zu spät. Ich hatte ein großes Ziel vor Augen, und acht Wochen sind schnell vorbei. Und wo wir schon bei guten Fragen sind: Nun stand ich vor der schwierigen Aufgabe, zu entscheiden, welchen Sport ich heute, an meinem ersten Tag in meinem neuen Leben, ausüben wollte. Mein Sortiment an Geräten ist sehr umfangreich: Trampolin, Kraftstation, Heimtrainer, Balanceboard, Kettlebell, Hanteln, Stretchbänder, Boxsack, Hula-Hoop-Reifen … Immer wenn ich ein neues Sportgerät sehe, denke ich, dass ich, wenn ich mir das jetzt hole, wirklich regelmäßig etwas für meine Fitness machen werde. Wenn es dann ankommt, bewundere ich es voller Ehrfurcht und lege es zu all den anderen neuwertigen Geräten.
Ich entschied mich für das Trampolin und wollte im Anschluss noch 100-mal mit meiner Bauch-weg-Rolle durch die Wohnung fahren. Diesmal startete ich sehr professionell und suchte mir im Internet entsprechende Anleitungen für effektive Sprünge und Übungen heraus.

Ich habe es getan…
Ich will ehrlich sein: Mein absoluter Pluspunkt ist, dass ich es durchgezogen habe. Leider hatte ich diese sportliche Übung, die die kleine, vierjährige Enkelin meiner Nachbarn mit Leichtigkeit stundenlang in deren Garten ausübt, unterschätzt. Bereits nach sieben Minuten lief mir der Schweiß, nach zwölf Minuten schnaufte ich wie ein Eber, und ab dann blickte ich fast ohne Unterbrechung auf meine Fitnessuhr, in der festen Überzeugung, gleich einen Herzinfarkt zu bekommen.
Aber ich kann voller Stolz berichten: Ich lebe noch und habe das Gehopse nach Anleitung 35 Minuten durchgezogen und anschließend noch weitere zehn Minuten mit der Bauchrolle gearbeitet. Nach Betrachtung meiner Daten bestand auch während meiner Aktivität kein Gesundheitsrisiko, denn auch wenn ich glaubte, dem Tod ins Auge zu blicken, belegte mein Tracker, dass ich mich zu keiner Zeit in einem kritischen Bereich befand.
Na ja, das Ding konnte mir viel erzählen.
Trinken!
Da ich ein echter Trinkmuffel bin, muss ich mich heute durchgehend daran erinnern. Dafür soll man überall Getränke hinstellen, damit man sie nicht übersieht.
Jetzt habe ich kleine Wasserflaschen auf dem Tisch, in der Küche, auf dem Klospülkasten, neben dem Hundekorb, auf der Waschmaschine und als Mahnmal neben dem Kaffeevollautomaten stehen. Hier soll sie mich bei jedem köstlichen Koffeingetränk daran erinnern, erst den Wasserplör zu trinken.
Spoiler: Heute, am ersten Tag, klappt das nur so mäßig gut. Die Hunde und ich stolpern ständig über meine Flaschen, und ans Trinken erinnert mich dann die App. Aber wenigstens habe ich es nicht weit, denn egal, wo ich mich gerade befinde, meine Getränke sind auch schon da.

Wie soll dieser Tag nur enden?
Heute Abend werde ich eine vegane Zucchini-Paprika-Pfanne zaubern – oder es zumindest versuchen. Dazu trinke ich einen High-Protein-Soja-Schoko-Geschmack-Kakao – oder so ähnlich. Das Zeug hat 50 g Protein pro Packung und entschädigt mich ein wenig für mein verlorenes Schnitzel.
Im Anschluss zerre ich meine Hunde hinaus in die Gluthitze, um dann erschöpft mit einem guten Buch in mein Bett zu fallen.
Ich hoffe sehr, dass ich morgen bereits erste Muskelansätze am Bauch erkennen kann.
Um nicht mein letztes bisschen Würde zu verlieren, zeige ich euch in diesem Beitrag noch keine Fotos von mir, weder beim Trampolinspringen noch danach. Das erkennbare Ergebnis meines schlechten Fitnesslevels ist mir dann doch etwas zu peinlich, um es der Welt zu präsentieren.
Dafür seid ihr die Ersten, die meine Erfolgsbilder zu sehen bekommen – falls es jemals welche geben sollte.

Fazit
Der erste Tag ist immer der schwerste. Es ist erstaunlich, dass die Dinge, die ich in meinen Gesundheitskursen lerne, auch bei mir funktionieren, obwohl man oft denkt, man selbst sei immun gegen diesen inneren Schweinehund.
Leider muss man die Veränderung wirklich wollen, und jede Umstellung von Gewohnheiten erfordert Disziplin und Durchhaltevermögen. Am Morgen war ich erstaunt, wie viele Ausreden ich hatte, warum heute ein miserabler Tag sei, um anzufangen. Das Problem: Wenn die Gegenargumente heute überzeugt haben, werden sie es auch morgen und vermutlich auch übermorgen.
Schauen wir mal, ob das jetzt der Startschuss zu meiner großen Challenge war oder ob ich doch wieder schwächel. Ihr werdet es hier erfahren.
Für alle, die nicht mitbekommen haben, warum ich mir diese Tortur zumute, hier noch einmal zum Nachlesen:
Für die ganz Motivierten unter euch habe ich hier noch einige Links zu externen Internetseiten, wo ihr weitere Trainingstipps bekommt:
https://www.fitbook.de/fitness/5-einfache-uebungen-die-den-koerper-fit-fuer-den-strand-machen
https://www.womenshealth.de/abnehmen/strandfigur-schnell-optimieren/

