Glücklich Vegan

Warum vegan? Gesundheit, Umwelt und Tierwohl im Überblick

Mein Blog, meine Bücher und meine Beratung richten sich nicht ausschließlich an Veganerinnen und Veganer. Viele meiner Leserinnen und Kundinnen haben für sich eine andere Ernährungsform gewählt. Immer wieder höre ich dabei den Satz, dass eine vegane Ernährung durchaus ihre Vorteile hat und man selbst ohnehin nur wenig Fleisch isst. Ein Leben ganz ohne tierische Produkte erscheint vielen jedoch noch immer ein wenig extrem.

Warum wurde ich Veganerin?

Die Frage, ob vegan oder nicht, kann letztlich nur jeder für sich selbst beantworten. Durch Social Media kenne ich viele Menschen, die sich ebenfalls ohne tierische Produkte ernähren. Die meisten hatten anfangs denselben Beweggrund wie ich: den ethischen Aspekt.

Vor etwa 13 Jahren entschied ich mich zunächst für ein vegetarisches Leben. Tiere habe ich schon immer geliebt. Bereits als Kind sammelte ich jedes verletzte Lebewesen auf – von Käfern über Katzen bis hin zu kleinen Vögeln. Es war seltsam, denn diese hilflosen Wesen schienen mich regelrecht zu finden. Während unzählige Menschen an ihnen vorbeigingen, sah ich sie immer.

Diese Eigenschaft ist mir bis heute geblieben. In den vergangenen Jahren habe ich verlassene Elsternbabys und ein Entenküken erfolgreich aufgezogen und ausgewildert, nachts mehrere ausgesetzte und orientierungslose Kaninchen von der Straße eingesammelt, die angeblich nirgendwo vermisst wurden, streunenden Katzen in unserem Keller ein Zuhause geschaffen – in die Wohnung wollten sie nicht – und sie versorgt.

Nicht zuletzt denke ich an unsere kleine, blinde Lasko. Als wir sie fanden, war sie kaum größer als eine Kaffeetasse und saß in Kroatien direkt an einer viel befahrenen Hauptstraße, wo sie auf den sicheren Tod gewart hätte. Heute lebt sie bei uns und terrorisiert mit großer Leidenschaft die gesamte Familie.

Seit ich kein Fleisch mehr aß, fühlte ich mich als perfekter Tierfreund und Tierversteher. Doch leider – oder zum Glück – gab es Social Media. Plötzlich sah ich erschreckende Bilder aus der Eier- und Milchindustrie und musste schockiert erkennen, dass bei meiner Tierliebe noch etwas Luft nach oben war.

Wollte ich wirklich weiterhin dazu beitragen, dass Kühe tagelang um ihre Kälber trauern? Dass Hühner bis zur Erschöpfung Eier legen, nur um später, wenn ihre Körper am Ende sind, im Hundefutter oder in der Suppe zu landen?

Trotzdem stellte ich mir den letzten Schritt zum veganen Leben sehr schwierig vor. Vor allem meinem Käse und ganz besonders dem Schafskäse trauerte ich lange hinterher.

Heute, nach über zehn Jahren veganer Ernährung, kann ich darüber lachen. Allerdings hat sich in dieser Zeit auch viel verändert. Inzwischen gibt es unzählige wohlschmeckende pflanzliche Alternativen für nahezu jedes tierische Produkt. Zu meinen Anfängen sah das noch ganz anders aus.

Besonders gut erinnere ich mich an mein erstes veganes Weihnachten. Damals hatte ich bei einem Online-Händler eine vegane Ente bestellt. Am Esstisch beobachtete mich meine Familie leicht schadenfroh, während sie genüsslich ihre Festtagspute verspeiste.

Die tierfreie Alternative sah tatsächlich sehr appetitlich aus, und ich zelebrierte jeden einzelnen Bissen. Innerlich hätte ich dieses gummiartige, schleimige Etwas allerdings am liebsten quer über den Tisch gespuckt. Stattdessen lächelte ich tapfer und tat so, als hätte ich selten etwas Köstlicheres gegessen.

Im Jahr darauf entdeckte ich auf der Website von PETA ein Rezept für einen veganen Linsen-Walnuss-Braten. Diesen bereitete ich selbst zu und konnte mein Weihnachtsessen endlich wirklich genießen.

Vegetarier und Veganer gab es schon vor 2500 Jahren

Der vegane und vegetarische Gedanke ist keineswegs neu. In der Geschichte der Menschheit gab es bereits viele Vorreiter und Mitstreiter, die sich für einen bewussteren Umgang mit Tieren einsetzten. Einige ihrer Gedanken und Zitate möchte ich hier mit dir teilen.

Pythagoras (ca. 570–495 v. Chr.) vertrat die Ansicht, dass auch Tiere eine unsterbliche Seele besitzen und daher nicht getötet werden sollten. Es heißt sogar, dass alle seine Schüler vegetarisch leben mussten, um von ihm unterrichtet zu werden. Seine Lehren beeinflussten später zahlreiche vegetarische Bewegungen und Denkweisen.

Leonardo da Vinci (1452–1519) glaubte an eine bessere Zukunft für alle Lebewesen. Er war überzeugt, dass die Menschen eines Tages keine Tiere mehr essen würden, weil sie das Töten von Tieren als barbarisch empfinden würden. Mit dieser Vorstellung war er seiner Zeit weit voraus.

Arthur Schopenhauer (1788–1860) schrieb einst, dass Mitleid mit Tieren eng mit der Güte des Charakters verbunden sei. Für mich persönlich ist das eine der schönsten Aussagen zum Umgang mit Tieren überhaupt.

Peter Singer vertritt in seinem Werk Animal Liberation die Auffassung, dass alle empfindungsfähigen Lebewesen moralisch berücksichtigt werden sollten. Da Tiere Schmerzen empfinden und leiden können, dürften ihre Interessen nicht einfach ignoriert werden. Seine Gedanken prägten die moderne Tierrechts- und Tierschutzbewegung maßgeblich.

Gesundheitlicher Vorteil von pflanzenbasierter Ernährung

Wie wir alle wissen, gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Risikofaktoren wie erhöhte Cholesterinwerte, Bluthochdruck und Arteriosklerose können die Entstehung von Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall begünstigen.

Eine pflanzenbetonte Ernährung kann dazu beitragen, einige dieser Risikofaktoren positiv zu beeinflussen. So deuten verschiedene Studien darauf hin, dass Menschen, die sich überwiegend pflanzlich ernähren, ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben können. In einigen Untersuchungen wurde eine Risikoreduktion von bis zu 25 Prozent beobachtet.

Kennt ihr das? Kaum sitzt man beim Arzt, wirft dieser einen Blick auf die Akte, sieht das Alter und fragt: „Wurden Sie schon auf Diabetes getestet?“ Da fragt man sich schnell: Warum eigentlich?

Die Antwort ist recht einfach: Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Eine unausgewogene Ernährung mit vielen zuckerreichen Lebensmitteln, gesättigten Fettsäuren und stark verarbeiteten Produkten kann jedoch die Entwicklung einer Insulinresistenz begünstigen. Diese gilt als ein wichtiger Risikofaktor für Typ-2-Diabetes.

Allerdings reicht es nicht aus, sich einfach nur pflanzenbasiert zu ernähren. Auch bei einer veganen oder vegetarischen Ernährung kommt es auf die Lebensmittelauswahl und eine ausgewogene Zusammenstellung an. Dabei gibt es einige wichtige Punkte zu beachten:

  • Setzte auf Hülsenfrüchte, Nüsse und Vollkornprodukte als Kohlenhydratquelle
  • Vermeide hochverarbeitete Kohlenhydrate, wie Weißbrot oder zuckerhaltige Snacks.
  • Zimt und Kurkuma können helfen, den Blutzucker stabil zu halten.

Auch im Kontext der Krebsprävention wird häufig über die Vorteile einer pflanzenbetonten Ernährung diskutiert. Einige Studien deuten darauf hin, dass sie mit einem geringeren Risiko für bestimmte Krebsarten, darunter Darm-, Brust- und Prostatakrebs, verbunden sein kann.

Ein möglicher Grund dafür ist der geringere Verzehr von rotem und verarbeitetem Fleisch. Die Weltgesundheitsorganisation stufte verarbeitetes Fleisch im Jahr 2015 als krebserregend und rotes Fleisch als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen ein. Zudem kam die Organisation zu dem Schluss, dass der regelmäßige Verzehr von verarbeitetem Fleisch, wie Wurst, Speck oder Schinken, mit einem erhöhten Risiko für Darmkrebs verbunden ist. In ihrer Bewertung wurde ein Anstieg des Risikos um etwa 18 Prozent bei einem täglichen Verzehr von 50 Gramm verarbeitetem Fleisch beschrieben.

Doch wie könnte eine pflanzenbetonte Ernährung dazu beitragen, das Krebsrisiko zu senken?

Wissenschaftler gehen davon aus, dass verschiedene Bestandteile pflanzlicher Lebensmittel dabei eine Rolle spielen könnten.

Antioxidantien können die Zellen unterstützen

In unserem Körper entstehen ständig sogenannte freie Radikale. Diese instabilen Moleküle können Zellschäden begünstigen. Pflanzliche Lebensmittel wie Beeren, Brokkoli oder grüner Tee enthalten zahlreiche Antioxidantien, die freie Radikale neutralisieren und so zum Schutz der Zellen beitragen können.

Ballaststoffe fördern eine gesunde Verdauung

Eine ballaststoffreiche Ernährung unterstützt die Darmgesundheit und sorgt für eine regelmäßige Verdauung. Dadurch können potenziell schädliche Stoffe den Darm schneller passieren. Studien deuten darauf hin, dass eine hohe Ballaststoffzufuhr mit einem geringeren Risiko für Darmkrebs verbunden sein kann.

Sekundäre Pflanzenstoffe als interessante Forschungsobjekte

Viele Pflanzen enthalten natürliche Schutzstoffe, die als sekundäre Pflanzenstoffe bezeichnet werden. Sie kommen beispielsweise in Kurkuma, Knoblauch, Brokkoli, Kohl oder Rosenkohl vor. In wissenschaftlichen Untersuchungen werden diese Stoffe immer wieder mit möglichen gesundheitsfördernden Eigenschaften in Verbindung gebracht. Ihre genaue Wirkung wird jedoch weiterhin erforscht.

Was du im Alltag umsetzen kannst

Schon kleine Veränderungen können dazu beitragen, den Anteil pflanzlicher Lebensmittel in deiner Ernährung zu erhöhen:

Sorge für eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten.

Iss regelmäßig grünes Gemüse und verschiedene Beerenarten.

Verwende Gewürze wie Kurkuma oder Ingwer beim Kochen.

Bevorzuge möglichst unverarbeitete Lebensmittel.

Reduziere den Konsum von Alkohol und stark verarbeiteten Produkten.

Klimaschutz durch vegane Ernährung

Heute spricht fast jeder von Umweltschutz und dem eigenen ökologischen Fußabdruck. Dabei wird der Zusammenhang zwischen der industriellen Tierhaltung und verschiedenen globalen Umweltproblemen immer häufiger thematisiert. Dazu gehören unter anderem der Verlust der Artenvielfalt, die Abholzung von Wäldern, ein hoher Wasserverbrauch sowie die Auswirkungen auf das Klima.

Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen verursacht die Tierhaltung einen erheblichen Anteil der weltweiten Treibhausgasemissionen. Schätzungen zufolge entfallen rund 14,5 Prozent der globalen Emissionen auf diesen Bereich.

Doch wodurch entstehen diese Emissionen eigentlich?

Methanproduktion durch Wiederkäuer

Rinder, Schafe und andere Wiederkäuer produzieren während ihrer Verdauung Methan. Dieses Gas trägt deutlich stärker zur Erderwärmung bei als Kohlendioxid und spielt deshalb eine wichtige Rolle in der Klimadiskussion.

Emissionen durch die Futtermittelproduktion

Für die Herstellung von Tierfutter werden große Mengen an Getreide und Soja angebaut. Anbau, Düngung, Ernte, Verarbeitung und Transport verursachen zusätzliche Treibhausgasemissionen.

Abholzung von Wäldern

In einigen Regionen der Welt werden Waldflächen gerodet, um Weideflächen zu schaffen oder Futtermittel anzubauen. Dadurch gehen wertvolle Lebensräume verloren und große Mengen des gespeicherten Kohlenstoffs werden freigesetzt.

Eine pflanzenbetonte Ernährung kann den Bedarf an tierischen Produkten reduzieren und wird deshalb häufig als eine Möglichkeit diskutiert, den persönlichen ökologischen Fußabdruck zu verringern.

Mehr Ernährungssicherheit für die Weltbevölkerung

Flächenverbrauch und globale Ernährung

Für die Erzeugung tierischer Lebensmittel werden in der Regel deutlich mehr Ressourcen und Flächen benötigt als für den direkten Anbau pflanzlicher Nahrungsmittel. Doch woran liegt das?

Ein großer Teil der weltweiten Agrarflächen wird nicht für Lebensmittel genutzt, die direkt auf unseren Tellern landen, sondern für den Anbau von Futtermitteln. Diese Pflanzen werden anschließend an Nutztiere verfüttert, die später Fleisch, Milch oder Eier liefern.

Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen wird ein erheblicher Teil der landwirtschaftlichen Nutzflächen für die Tierhaltung und die Produktion von Futtermitteln verwendet. Dadurch gehen Ressourcen verloren, die theoretisch auch für den direkten Anbau von Lebensmitteln genutzt werden könnten.

Immer wieder wird deshalb diskutiert, ob eine stärker pflanzenbetonte Ernährung dazu beitragen könnte, die vorhandenen Flächen effizienter zu nutzen. Einige Studien kommen zu dem Ergebnis, dass dadurch mehr Menschen mit Nahrung versorgt werden könnten, da weniger Ressourcen für die Produktion von Tierfutter benötigt würden.

Gleichzeitig bleibt die weltweite Ernährungssituation komplex. Obwohl jedes Jahr große Mengen Getreide als Futtermittel eingesetzt werden, leiden weiterhin Millionen Menschen unter Hunger und Mangelernährung. Neben der tatsächlichen Lebensmittelproduktion spielen dabei auch Faktoren wie Armut, Kriege, politische Instabilität, Infrastruktur und die Verteilung von Nahrungsmitteln eine wichtige Rolle.

Dennoch sehen viele Wissenschaftler in einer stärker pflanzenbasierten Ernährung einen möglichen Ansatz, um Ressourcen effizienter zu nutzen und den Druck auf landwirtschaftliche Flächen zu verringern.

Fazit

Der vegane Ernährungsstil ist eine sehr persönliche Entscheidung, die jedoch weitreichende Auswirkungen haben kann. Hier noch einmal die wichtigsten Beweggründe im Überblick:

Ethischer Aspekt: Vermeidung von Tierleid und ein bewussterer Umgang mit Tieren.

Gesundheit: Eine ausgewogen gestaltete pflanzliche Ernährung wird mit verschiedenen gesundheitlichen Vorteilen in Verbindung gebracht und kann dazu beitragen, das Risiko bestimmter Erkrankungen zu verringern.

Umweltschutz: Ein geringerer Verbrauch natürlicher Ressourcen sowie die Möglichkeit, Treibhausgasemissionen und Wasserverbrauch zu reduzieren.

Soziale Aspekte: Eine effizientere Nutzung landwirtschaftlicher Flächen und Ressourcen kann zu einer nachhaltigeren Lebensmittelproduktion beitragen.

Kurz gesagt: Eine pflanzenbasierte Ernährung kann eine bewusste Entscheidung für die eigene Gesundheit, die Umwelt und einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen sein.

Ich kann dabei natürlich nur für mich selbst sprechen. Rückblickend habe ich meine Entscheidung nie bereut. Der ethische Gedanke war damals mein wichtigster Beweggrund. Mit zunehmendem Alter sind für mich jedoch auch die gesundheitlichen Aspekte immer bedeutender geworden.

Dabei sollte man ehrlich sein: Eine gesunde vegane Ernährung ist kein Selbstläufer. Wer sich pflanzlich ernährt, sollte auf eine ausgewogene Lebensmittelauswahl und die Versorgung mit wichtigen Nährstoffen achten. Orientierung bietet dabei die vegane Ernährungspyramide. Meinen ausführlichen Beitrag dazu findet ihr hier:

Aus eigener Erfahrung weiß ich außerdem, dass auch eine vegane Ernährung nicht automatisch gesund ist. Wenn man – so wie ich im vergangenen Jahr zeitweise – zu häufig auf stark verarbeitete Fertigprodukte zurückgreift, können viele positive Effekte schnell verloren gehen. Das gilt allerdings nicht nur für Veganerinnen und Veganer, sondern für jede Ernährungsform. Gesundheit braucht letztlich immer ein gewisses Maß an Eigeninitiative und bewussten Entscheidungen.

Möchtet ihr noch mehr erfahren? Hier findet ihr einige externe Links zum Thema Veganismus:

https://www.wwf.de/aktiv-werden/tipps-fuer-den-alltag/tipps-fuer-ernaehrung-und-einkauf/vegane-ernaehrung

https://www.peta.de/veganleben/vegane-ernaehrungspyramide/?utm_source=google&utm_medium=cpc&campaign=grants_ern%C3%A4hrung&gad_source=1&gad_campaignid=20923292343&gbraid=0AAAAADwWAeEIWj3Ml_VJNnTz9a40UH_68&gclid=Cj0KCQjw9ZLSBhCcARIsAEhGKgOBLAdHG1csZwLTB90yGKyyqgWUdt-x0bUn6nh6Toj1LiEVVKHNlr0aAs4LEALw_wcB

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