Slow Living und Achtsamkeit

Neustart im Leben: Es ist nie zu spät für Veränderung

Wir befinden uns oft an kleinen und großen Weggabelungen. Manche nehmen wir ganz bewusst, mit voller Überzeugung. Andere eher nebenbei, weil sie sich gerade richtig anfühlen – oder einfach bequem sind. Und manchmal, Jahre später, erwischen wir uns bei der Frage, ob wir irgendwo falsch abgebogen sind. Wenn dieser Moment aufkommt, ist es ein klares Zeichen dafür, dass wir auf irgendeine Weise mit unserer Situation unglücklich sind.

Und die Anzeichen sind klar: Dieses leise Ziehen im Bauch, das sagt: Irgendetwas passt hier nicht mehr ganz.

Und trotzdem wagen nur wenige einen echten Neuanfang. Nicht, weil wir es nicht besser wüssten – sondern weil der Alltag laut, anstrengend und manchmal einfach zu voll ist.

Und genau hier kommt einer der größten Krankmacher ins Spiel: Stress.

Leiser, dauerhafter Stress, der entsteht, wenn wir das Gefühl haben, fremdbestimmt zu sein. Wenn wir merken, dass wir die Kontrolle über unser eigenes Leben ein Stück verloren haben.

Dieses Gefühl kann überall entstehen – im Job, in der Partnerschaft, in der Familie oder im Freundeskreis. Plötzlich treffen andere Entscheidungen und wir fügen uns, ohne zu hinterfragen. Das sind schon kleine Beispiele: eine Einladung zu einer Geburtstagsparty, auf die man eigentlich keine Lust hat, oder Überstunden, um die der Chef einen „bittet“, ohne Widerspruch zu dulden.

Schritt für Schritt verschiebt sich dabei etwas, denn wir funktionieren, statt zu gestalten. Und genau das macht auf Dauer müde. Und krank.

Die gute Nachricht ist: Es ist nie zu spät, sich noch einmal einen Neuanfang zu erlauben. Ganz egal, wie alt wir sind, und völlig unabhängig davon, in welchem Bereich sich etwas verändern darf.

Jeder trägt persönlich die Verantwortung für sein eigenes Leben. Niemand außer uns selbst ist schuld daran, wenn man diese abgibt, und wir alleine bezahlen auch den hohen Preis in Form unserer Gesundheit.

Selbstfürsorge und die Suche nach dem eigenen Glück haben nichts mit Egoismus zu tun. Im Gegenteil. Wer gut für sich sorgt, kann auch für andere da sein. Aber wenn wir etwas umgestalten wollen, müssen wir aus unserer Komfortzone hinaus, auch ein gewisses Risiko eingehen.

Als ich meinen sicheren Brotjob kündigen wollte, um ganz neu in meiner Karriere als Autorin, Beraterin und Coach zu starten, hatte ich unzählige schlaflose Nächte. Der finanzielle Druck war allgegenwärtig: Was, wenn ich nicht genug verdienen würde, um meinen Verpflichtungen nachzukommen?

Auch der Glaube an die eigenen Fähigkeiten fehlte mir – obwohl ich zahlreiche Lehrgänge absolviert und mir über Jahre ein enormes Wissen aufgebaut hatte. Konnte ich meiner Strategie wirklich vertrauen, wenn ich sie anfangs fast täglich veränderte?

Das Einzige, was mir Halt gab, war mein Talent, Bücher zu schreiben. Und selbst daran zweifelte ich manchmal. Würde ich es schaffen, die richtigen Menschen zu erreichen? Würde überhaupt jemand auf meine Romane oder Ratgeber aufmerksam werden?

Doch was war die Alternative? Mein restliches Leben in einem Beruf zu verbringen, der mich krank und unglücklich machte?

Also ging ich das Risiko ein und veränderte alles.
Diese Entscheidung habe ich nie bereut.

Aber das ging nicht von heute auf morgen. Ich hatte mir eine Frist gesetzt, damit sich alles entwickeln konnte. Anfangs startete ich mit kleinen Schritten. Ich ging nach Feierabend nicht mehr an das Telefon, wenn meine Vorgesetzten anriefen, um mir Aufgaben zu geben, auf die die Kollegen keine Lust hatten. Ich zog mich etwas zurück, um für mich zu erkennen, was ich mir auch im Privatleben wirklich wünschte. Dazu begann ich, mich in meiner Freizeit gezielter weiterzubilden, schrieb Ideen auf, änderte sie wieder, und notierte neue Einfälle.

1. Ehrlich hinschauen – ohne sich zu verurteilen

Nimm dir regelmäßig einen Moment, um dich zu fragen:
Was tut mir gerade gut? Und was kostet mich dauerhaft Energie?
Nicht, um sofort alles zu ändern – sondern um wiederzuerkennen, was du wirklich willst.

Alltagsbeispiel:
Auf der Arbeit stehen sie plötzlich wieder vor dir – Kollegen und Kolleginnen, die dich um Unterstützung bitten. Oder sie setzen es stillschweigend voraus. Schließlich bist du schneller. Oder angeblich einfach besser in diesem Bereich.

Genau hier lohnt es sich, kurz innezuhalten und ehrlich hinzuschauen: Was habe ich eigentlich davon?
Sind diese Menschen auch für dich da, wenn dir die Arbeit über den Kopf wächst? Oder bleibt die zusätzliche Verantwortung am Ende doch wieder bei dir hängen?

Nein zu sagen, ist in solchen Momenten kein Zeichen von Unkollegialität. Es ist Selbstschutz. Und manchmal sogar notwendig. Du darfst Grenzen setzen. Du darfst an dich denken. Und du darfst aufhören, dich selbst dauerhaft zu übergehe

2. Verantwortung liebevoll zurückholen

Selbstverantwortung bedeutet nicht, alles alleine stemmen zu müssen.
Schon kleine Grenzverschiebungen machen einen großen Unterschied.

Lest hierzu auch meinen Blogbeitrag über Achtsamkeit im Alltag:

https://berenice-isst-vegan.com/minimalismus-und-nachhaltigkeit-im-alltag/achtsamkeit-im-alltag-stress-abbauen-innere-ruhe-finden/

Alltagsbeispiel:
Wenn wir über viele Jahre hinweg kaum oder gar keine Grenzen gesetzt haben, kann unser Umfeld – vor allem die Menschen, die uns lieben – nicht wissen, dass es uns plötzlich zu viel wird. Sie können nicht spüren, was wir nie ausgesprochen haben.

Genau hier dürfen wir Verantwortung zurückholen, indem wir offen kommunizieren, was wir wirklich wollen, was wir uns wünschen und wo wir uns mehr Unterstützung erhoffen.

Oft sind wir überrascht, wie verständnisvoll wichtige Menschen reagieren, wenn wir ehrlich werden. Und kaum jemand wird unser Verhalten als Schwäche einstufen.

3. Mini-Pausen fest einbauen

Stress entsteht oft, weil wir uns selbst ständig hinten anstellen.
Kurze Pausen im Alltag – fünf tiefe Atemzüge, ein Spaziergang um den Block, eine Tasse Tee ohne Handy – sind keine Luxusmomente, sondern echte Selbstfürsorge.

Alltagsbeispiel:
Wir müssen nicht konstant funktionieren. Auch uns stehen Ruhephasen zu – ohne sie rechtfertigen zu müssen.

Ob wir einen entspannten Spaziergang mit dem Hund einlegen, ein Schaumbad nehmen oder uns für zehn Minuten die Kopfhörer aufsetzen und einfach nur Musik hören: Diese kleinen Pausen sind keine Zeitverschwendung.

Dieser Moment gehört nur uns. Und vielleicht unserem Hund. Und genau das macht ihn so wertvoll.

4. Veränderungen an den Alltag anpassen, nicht umgekehrt

Nicht jeder Tag erlaubt große Rituale. Und das ist okay.
Manchmal reicht es, eine kleine Gewohnheit zu verändern, statt alles neu zu erfinden.

Alltagsbeispiel:

Vielleicht bleibt heute keine Stunde für Yoga oder ein ausgedehntes Abendritual. Aber vielleicht passen fünf Minuten frische Luft zwischen zwei Terminen. Oder ein bewusst getrunkener Tee, statt den Kaffee nebenbei herunterzuschütten. Genau darum geht es: realistisch zu schauen, was heute möglich ist. Manchmal reicht es, eine winzige Gewohnheit zu verändern – und schon fühlt sich der Tag ein Stück leichter an, ohne dass wir unser ganzes Leben neu erfinden müssen.

5. Sich selbst ernst nehmen

Eigene Bedürfnisse sind kein Nebenschauplatz.
Je mehr du lernst, sie wahrzunehmen und zu respektieren, desto weniger fühlst du dich fremdbestimmt – und desto mehr entsteht wieder das Gefühl von Kontrolle und innerer Ruhe.

Alltagsbeispiel:
Nach einem anstrengenden Arbeitstag sehnst du dich vielleicht nach einer Runde Joggen oder einfach danach, auf der Couch zu landen und eine Folge deiner Lieblingsserie zu schauen. Und dann ist da noch die Bügelwäsche. Oder eine Freundin, die spontan auf einen Kaffee kommen möchte. Genau hier darfst du innehalten und ehrlich in dich hineinspüren: Was brauche ich gerade wirklich?
Wenn wir unsere eigenen Bedürfnisse immer wieder hinten anstellen, passiert das meist schleichend. Erst werden wir müde. Dann unzufrieden. Und irgendwann meldet sich auch der Körper.

Auf dich zu hören ist kein Egoismus – es ist Selbstfürsorge. Und manchmal die gesündeste Entscheidung des Tages.

6. Geduld mit dir selbst haben

Veränderung ist kein Sprint.
Es gibt Tage, an denen es leicht fällt – und andere, an denen alles wieder beim Alten bleibt. Beides gehört dazu. Wichtig ist nicht die Geschwindigkeit, sondern dass du dir selbst zugewandt bleibst.


Fazit: Kleine Schritte, große Wirkung

Veränderung muss nicht laut sein. Sie beginnt oft leise – mit einem ehrlichen Innehalten, mit einem Nein zur richtigen Zeit oder mit einer kleinen Entscheidung für uns selbst.

Es ist nie zu spät, Verantwortung für das eigene Leben und die eigene Gesundheit zurückzuholen. Selbstfürsorge ist kein Egoismus, sondern eine Grundlage dafür, langfristig gesund, ausgeglichen und innerlich zufrieden zu bleiben.

Wenn wir lernen, auf unsere Bedürfnisse zu hören, Grenzen zu setzen und uns kleine Ruheinseln im Alltag zu erlauben, entsteht Schritt für Schritt wieder mehr Leichtigkeit. Nicht perfekt. Nicht jeden Tag. Aber ehrlich und machbar.

Und manchmal reicht genau das: der Entschluss, sich selbst wieder ernst zu nehmen.

Für mehr Informationen findet ihr hier noch einige externe Links, zu anderen Internetseiten:

https://www.amazedmag.de/alles-auf-null-wer-hat-neuanfaengen-ueberhaupt-eine-altersbegrenzung-gegeben/

https://www.psychotipps.com/spass-haben-im-alter.html

You may also like...

Popular Articles...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert