
Wenn das Buchcover Schwächen zeigt
Da hat man Monate in sein erstes Buch gesteckt. Jeden Tag geschrieben, nachbearbeitet, sich Tipps von erfahrenen Autoren eingeholt, versucht, kostengünstige Werbung zu machen, und, und, und. Und plötzlich, kurz vor dem Finale, geht alles schief!
Angefangen mit dem Buchcover: Nach langer Überlegung und genauem Durchrechnen des Budgets hat man sich schweren Herzens entschieden, einen wichtigen Teil des eigenen Romans in die Hände von künstlicher Intelligenz zu legen. Es dauerte dann doch zwei volle Tage, bis die KI verstanden hatte, was ich mir vorstelle, und ich am Ende zufrieden, nein, sogar begeistert war von dem Ergebnis. Für mich stand fest, dass ich die Leser und Leserinnen darüber informiere, dass mein Titelbild mit diesem Hilfsmittel erstellt wurde. Die genauen Hintergründe könnt ihr hier noch einmal nachlesen:
Doch als ich meinem Roman den letzten Feinschliff für den Probedruck geben wollte, erkannte ich es: Mala fehlten Finger, die Farben wirkten viel zu künstlich, bei einigen Objekten stimmten die Proportionen nicht, und das Huhn hatte keine Schatten und noch weniger Füße. Es schwebte fröhlich durch den Raum wie Meister Yoda.
Was soll ich euch erzählen? Ich habe eine weitere, geschlagene Woche damit verbracht, mithilfe meines Foto- und Bildbearbeitungsprogramms am Cover zu arbeiten. Von der ursprünglichen KI-Vorlage ist nun sehr wenig übrig. Ich habe das Motiv gefiltert, um die Farben realistischer zu machen, die Hand und das Springseil neu eingezeichnet, das Huhn bekam Beine und einen Schatten, einige Gegenstände habe ich entfernt, die Schriften neu verändert, Malas Gesicht etwas optimiert – sorry, Mala, schon wieder findet jemand dich nicht gut genug – und jetzt, am Ende, nachdem ich das Handbuch des Bildbearbeitungsprogramms auswendig kenne und um circa 12 Jahre gealtert bin, bin ich mit meinem Werk zufrieden.
So viel zu: „Mein Cover ist KI-gestaltet, das ist günstiger und geht schnell.“

Nur noch einmal probelesen!
Das, was ich jetzt erzähle, kennen vermutlich alle Autoren: Man will nur noch einmal probelesen, bevor es dann endgültig freigegeben wird. Aber was denkt ihr, passiert? Man findet sofort auf Seite 13 einen Tippfehler, oder etwas stimmt beim Satzbau nicht, oder überhaupt etwas. Wenn mein Mann mir nicht mit Scheidung gedroht hätte, würde ich vermutlich noch heute an dem Manuskript lesen und nach Fehlern suchen. Aber das Schlimmste: Ich würde bestimmt auch noch welche finden.
Es macht mich verrückt, mir vorzustellen, dass mein „Baby“ noch immer nicht perfekt ist. Dabei ist jedem Autor klar, dass Leser und Leserinnen solche kleinen Dinge kommentarlos verzeihen, während man selbst daran verzweifelt.

Blogger und Testleser immer wieder vertrösten – der Supergau!
Aber eine Sache ist für mich das Schlimmste an all den Pleiten und noch mehr Pannen: Ich habe viele tolle Blogger und Testleser gefunden, die bereit waren, und glücklicherweise sogar noch sind, mir ihre Lebenszeit und Aufmerksamkeit zu schenken, indem sie mein Buch vorab lesen und es vielleicht vorstellen oder rezensieren. Und genau diese Leute muss man immer wieder vertrösten. Das finde ich nicht nur sehr peinlich und unprofessionell, sondern auch respektlos diesen tollen Menschen gegenüber. Das Einzige, was ich hier zu meiner Entschuldigung sagen kann: Ich bin aktuell noch unprofessionell, für mich ist alles Neuland, und viele Dinge bei der Romanveröffentlichung hat man sich im Vorfeld wirklich einfacher vorgestellt, was zu Fehleinschätzungen führte.
Doch diese Erfahrung hat mir auch etwas sehr Positives gezeigt: Diese tollen Leserinnen – und in diesem Fall sind es tatsächlich nur Frauen – haben alle geduldig und verständnisvoll reagiert. Statt verärgert zu sein, hatten viele noch ein paar aufbauende Worte für mich, was mich wirklich gefreut hat. Obwohl ich wirklich viele tolle Reaktionen bekommen habe, möchte ich zwei Bloggerinnen besonders hervorheben. Das sind Nicole von „Life with a Glow“ und Freja von „Die Plaudertasche“. Nicht nur, weil mir ihre Blogs persönlich so gut gefallen, sondern auch, weil sie die ersten waren, die mir zugesagt hatten, und nun am längsten warten mussten.
Ich habe sie euch hier verlinkt:
Wenn ihr Zeit und Lust habt, besucht doch einmal diese beiden externen Internetseiten, es lohnt sich wirklich. Ich jedenfalls habe sie mir in die Favoritenliste gepackt.

Was ist mein Fazit?
In den letzten Wochen habe ich häufig gedacht, dass ich mich mit dem Roman vielleicht etwas übernommen habe. Oft habe ich überlegt, ob ich nicht lieber die Finger von diesem Projekt gelassen hätte, und mir nicht selten gesagt, dass diese Aufgabe einfach zu groß für die kleine Berenice aus dem Sauerland ist. Aber dann, wie immer bei einem Waldspaziergang mit Pantteri, habe ich etwas bemerkt:
Ich mache genau das, weshalb Frauen sich für meine Naturberatung interessieren: Ich rede mich schlecht, verliere jedes Selbstvertrauen und fange an, an mir zu zweifeln. Je stärker dieses Gefühl überhandnimmt, umso wahrscheinlicher ist es auch, dass man mit seinem Vorhaben scheitert. Das ist keine Magie oder Karma, sondern ein einfaches psychologisches Phänomen. Ein negatives Mindset beeinflusst das Auftreten, die Vermarktung und auch die Motivation, wirklich am Ball zu bleiben und selbst bei größeren Rückschlägen durchzuhalten.
Dabei kann ich stolz auf mich sein: Ich habe es wirklich geschafft, ich habe ein ganzes Buch geschrieben. Nach fast 36 Jahren habe ich mir diesen Traum erfüllt. Es gibt also keinen Grund, wegen einiger kleiner Pannen den Kopf in den Sand zu stecken.
Befindet ihr euch vielleicht auch gerade in so einer Situation? Arbeitet auch ihr an einem Plan mit ungewissem Ausgang, oder erfüllt euch einen Wunsch, um irgendwo noch einmal ganz neu anzufangen? Egal, was es ist – ich würde mich freuen, wenn ihr mir davon in den Kommentaren erzählt.

Sehr schön geschrieben und ich erkenne mich sehr gut darin wieder. Mein größtes Problem ist aktuell: Wo fange ich an und wo höre ich auf, was ist wie wichtig und was sollte wie viel Aufmerksamkeit bekommen. Neben einem Job und Studium sich eine Selbstständigkeit aufzubauen, ist extrem anstrengend und fordernd und ich habe auch Tage, an denen ich denke, ich schmeiße einfach alles über Bord und gebe auf. Aber es gibt auch Tage, die mir Mut machen und an denen ich gut vorankomme. Diese geben mir dann wieder Mut, gerade wenn ich am nächsten Tag etwas schaffe, woran ich vorher noch kläglich gescheitert bin. Deshalb kann ich jeden nur den Rat geben für seine oder ihre Träume zu kämpfen und nie aufzugeben egal wie schwer es gerade ist oder wie unmöglich eine Aufgabe erscheint.
Es ist unglaublich schwer, alte Gewohnheiten hinter sich zu lassen und neue Wege einzuschlagen. Wahrscheinlich gibt es kaum jemanden, dem es leichtfällt, die eigene Komfortzone zu verlassen und Veränderungen zuzulassen. Umso schöner ist es, dass du so offen über deine Herausforderungen sprichst. Genau das macht anderen Menschen in ähnlichen Situationen Mut, nicht aufzugeben und weiterzumachen.
Ich wünsche dir von Herzen viel Erfolg und bin mir sicher, dass du deinen Weg finden wirst. Halte uns gerne weiter auf dem Laufenden!
Liebe Berenice,
ich finde es so toll, dass du dich mit deinem Baby so auseinandersetzt, zeigt es doch, dass es nicht ’nur‘ schreiben sondern auch Herzblut ist.
Danke für die Verlinkung und ich freue mich schon sehr, dein Buch zu lesen.
Liebe Grüße und viel Erfolg
Nicole
Vielen Dank! Gerade jetzt, wo die heiße Phase beginnt, kann man wirklich jede Aufmunterung gebrauchen. Ich hoffe sehr, dass dir mein Buch gefällt – und dass man nach der Veröffentlichung endlich wieder ruhig schlafen kann! 😄