Romane

Warum mein Buchcover KI-generiert ist – mein Roman aber garantiert nicht

Die Realität eines Selfpublishers

Als Selfpublisher hat man viele Freiheiten: Man entscheidet allein über die Inhalte seines Romans, über das Cover und über das Marketing. Man kann gewissermaßen Gott spielen und seine eigene Welt erschaffen – in der Geschichte ohnehin, aber am Ende auch beim Verkauf.

Das ist ein großartiges Gefühl. Gerade als Künstler möchte man sich nicht ständig hineinreden lassen – auch wenn die Mitarbeiter eines Verlags natürlich oft mehr Erfahrung darin haben, was sich tatsächlich verkauft oder welche Art von Roman und Cover Leserinnen und Leser besonders anspricht.

Und doch ist es häufig genau diese Unbedarftheit, die Selfpublisher-Romane zu echten Perlen macht. Der Autor macht einfach – intuitiv, aus dem Bauch heraus. Das kann einschlagen wie eine Bombe. Oder zum Flop des Jahrhunderts werden.

Künstlerische Freiheit hat ihren Preis

Diese Freiheit muss man allerdings teuer bezahlen – und das bei einem Risiko, das man als Anfänger kaum realistisch kalkulieren kann. Ein Lektor möchte für seine sorgfältige Arbeit zu Recht einen angemessenen Lohn. Auch Layout kostet Geld, ebenso das Cover. Dazu kommen gedruckte Exemplare für Werbezwecke, Leserunden oder Rezensionen – und, und, und.

Am Ende steht man zwangsläufig vor der Frage, wo man sparen kann, damit das erste Buch nicht gleich zum wirtschaftlichen Totalschaden wird.

Ich persönlich habe mich schließlich entschieden, die 300 bis 1000 Euro für einen professionellen Coverdesigner einzusparen. Damit möchte ich gleich klarstellen, dass ich diese Summe für die künstlerische Arbeit absolut gerechtfertigt finde. Für viele Neuautoren im Selfpublishing ist sie jedoch schlicht schwer aufzubringen.

Die geniale Lösung: Ich erstelle mein eigenes Cover

Was zunächst wie eine brillante Idee wirkte, entpuppte sich schnell als riesiger Flop: Mir war zwar von Anfang an klar, dass ich nicht zeichnen kann – aber das Ergebnis war so niederschmetternd und peinlich, dass nicht einmal die fünfjährige Enkelin der Nachbarn erkennen konnte, was der Künstler mit diesem Bild eigentlich ausdrücken wollte.

Gut, aufgeben war keine Option. Also habe ich mich durch Stockfotos gequält – und ich sage bewusst „gequält“, denn davon gibt es Millionen. Nach mehreren Tagen, an denen ich wiederum Stunden damit verbrachte, Bilder von gefühlt allem anzusehen, gab ich schließlich auf. Nichts entsprach meinen Vorstellungen.

Ich liebe mein Romanprojekt mit der chaotischen Mala, die von einem Missgeschick ins nächste tapst. Und deshalb hatte sie es auch aus meiner Sicht verdient, das bestmögliche Cover zu bekommen. Einen faulen Kompromiss, der mich am Ende unglücklich macht, wollte ich einfach nicht eingehen.

Rettende Hilfe durch KI

Und genau an diesem Punkt kam eine Möglichkeit ins Spiel, die viele Selfpublisher inzwischen nutzen – künstliche Intelligenz.

Offen gesagt setzte ich mich zunächst ziemlich misstrauisch an die Arbeit. Wie sollte ein Computerprogramm meine Vorstellungen umsetzen?

Also begann ich, so genau wie möglich zu beschreiben, welches Bild ich im Kopf hatte – angefangen bei Malas Aussehen bis hin zu den Hintergründen. Am Ende entstand ein Cover, das ich mir schöner kaum hätte vorstellen können. Es sah tatsächlich genauso aus, wie ich es in meinem Hinterkopf gehabt hatte.

Zugegeben, es war allerdings nicht so, dass man sich einfach hinsetzt, drei Fakten eingibt und die KI mal eben ein fertiges Cover ausspuckt. Wir mussten schon ziemlich lange zusammenarbeiten, bis ich wirklich zufrieden war. Ich glaube, ein menschlicher Coverdesigner hätte mir in der Zwischenzeit vermutlich die Sachen an den Kopf geworfen und mich aus der Tür begleitet. Die KI hingegen blieb erstaunlich geduldig.

Und nun kann ich euch mein wunderschönes Bild präsentieren. Auch wenn ich es nicht selbst gezeichnet habe, ist es doch vollständig in meiner Fantasie entstanden und wurde nur nach meinen Anweisungen umgesetzt.

Ich halte es für notwendig, KI nicht als Ersatz für fehlende Kreativität zu benutzen – denn dann bräuchten wir irgendwann tatsächlich keine Künstler mehr. In manchen Fällen ist sie jedoch ein wunderbares Werkzeug, das Ideen nach den eigenen Vorstellungen visualisieren kann.

Ob ich glaube, dass KI menschliche Künstler ersetzen kann? Ganz sicher nicht. Aber in bestimmten Situationen ist es hilfreich, auf solche Unterstützung zurückgreifen zu können. Ähnlich wie bei Rechtschreib- und Autorenprogrammen wie Papyrus oder bei Übersetzungshilfen.

Mein fertiges Buchcover

Warum mein Roman unter Garantie nicht KI‑geschrieben ist

Während ich kläglich an meinen zeichnerischen Fähigkeiten gescheitert bin und am Ende mehr als dankbar für die Möglichkeit der KI-Generierung war, wäre das Verfassen eines Romans mit Unterstützung künstlicher Intelligenz für mich undenkbar.

Es ist immer der persönliche Humor oder die eigene Gefühlslage, die man in seine Geschichten einfließen lässt. Dazu kommt – genau wie beim Cover –, dass man den eigenen Plot im Kopf hat. Die Figuren haben ein bestimmtes Aussehen, jeder Charakter hat seine eigene Art zu sprechen und sich auszudrücken. Das kann man einer KI nicht einfach beibringen – und offen gesagt möchte man das auch gar nicht.

Geschichten leben von Figuren, eigenen Erfahrungen, Emotionen und einer unverwechselbaren Erzählstimme. Aus meiner Sicht kann ein Computer diese Gefühle nicht wirklich in Worte fassen – jedenfalls nicht so, dass sie Menschen berühren oder unterhalten.

Und was soll ich sagen? Das ist auch gut so.
Und genau deshalb sind und bleiben meine Romane zu hundert Prozent von mir geschrieben – mit all meinen Gedanken, meinen Figuren und meinem ganz eigenen Chaos im Kopf.

Lest hierzu gerne auch meinen Beitrag über Frauenromane Ü40

https://berenice-isst-vegan.com/frauenromane-ue40-humorvolle-romane-ueber-neuanfang-veraenderung/warum-frauen-ab-40-romane-mit-humor-und-neuanfaengen-lieben/

Fazit

Ich halte es für notwendig, dass künstliche Intelligenz als das gesehen wird, was sie ist: ein Hilfsmittel – auch und gerade für Künstler in den unterschiedlichsten Bereichen.

Professionelle Coverdesigner können sich unter anderem Inspirationen holen, die sie anschließend mit ihren eigenen Ideen und ihrem handwerklichen Können umsetzen. Hintergrundrecherchen lassen sich schneller erledigen, und selbst im Marketing kann KI eine hilfreiche Unterstützung sein. Sie ersetzt keine Kreativität, aber sie kann Prozesse erleichtern und neue Möglichkeiten eröffnen.

Denn seien wir ehrlich: Welcher Autor kann schon von sich behaupten, gleichzeitig ein großartiger Schriftsteller, ein talentierter Zeichner, ein Marketingexperte und ein absoluter König der Grammatik zu sein? Die meisten von uns haben ihre Stärken in einem Bereich – und in anderen Bereichen brauchen wir Unterstützung.

Genau hier kann künstliche Intelligenz eine echte Arbeitserleichterung sein. Sie hilft dabei, Ideen sichtbar zu machen, Aufgaben effizienter zu erledigen und Projekte umzusetzen, die sonst vielleicht an Zeit, Budget oder technischen Fähigkeiten gescheitert wären.

Für mich ist KI deshalb kein Ersatz für Kreativität – sondern ein Werkzeug. Und wie jedes Werkzeug kommt es darauf an, wie man es nutzt.

You may also like...

Popular Articles...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert