💬 Mein persönlicher Weg

Abschied von Lilly – Trauer, Liebe und was sie mit Körper und Seele macht

Was war sie für mich, meine Lilly?

Noch heute sehe ich den Moment klar vor mir, als der Fahrer eines Tiertaxis mir ein vermeintlich hilfloses, kleines Hundemädchen in die Arme legte.
Ich hatte schon viele Hunde in meinem Leben und wusste: Ohne diese Fellnasen werde ich niemals leben wollen. Doch manchmal begegnet einem dieses eine besondere Tier – und Lilly war genau so jemand.

Es war Liebe auf den ersten Blick – von beiden Seiten.
Von dieser ersten Nacht an waren wir unzertrennlich und verbrachten fast jede Minute zusammen. Lilly reiste mit mir durch halb Europa, begleitete mich zu meiner Arbeit, unterstützte mich bei neuen Projekten einfach durch ihre Anwesenheit. Sie gab mir Trost und Halt in schweren Zeiten – ohne große Gesten, einfach, indem sie da war.

Sie war kein Hund, der sich unterwürfig verhielt oder nur darauf bedacht war, mir zu gefallen. Lilly war ein typischer, dickköpfiger, aber absolut loyaler Pekinese. Ihre Behinderung hat sie nie interessiert, und zu Hause hatte sie alle großen Hunde fest im Griff. Mit ihrem Rollwagen konnte sie stundenlang mit mir wandern – nur zu steil durfte es nicht werden.

Lilly war meine beste Freundin. Wir waren nicht immer einer Meinung, konnten uns sogar „streiten“, und manchmal ignorierte sie mich stundenlang. Aber am Ende fanden wir immer wieder zueinander.

Und dann kam der Tag, den jeder Hundehalter fürchtet.
Plötzlich war da eine Wunde unter ihrem Bauch, die innerhalb weniger Tage größer wurde und zu eitern begann. Sie hatte Schmerzen. Direkt nach dem Wochenende fuhr ich mit ihr zum Tierarzt. Die Diagnose war niederschmetternd: Krebs, Endstadium.

Mir blieben zwei Möglichkeiten: Sie für ein paar weitere Tage mit nach Hause nehmen und mit starken Schmerzmitteln versorgen – oder sie sofort erlösen.
Es war eine der schwersten Entscheidungen meines Lebens. Aber ich wusste, dass ich es meiner Freundin, meiner Seelenverwandten, meiner großen Liebe schuldig war, sie nicht leiden zu lassen. Also begleitete ich sie auf ihrem letzten Weg.

Während es ihr nun – wo auch immer sie ist – besser geht, bleibe ich zurück.
Mit einer Leere, die sich kaum in Worte fassen lässt.
Mit dem Gefühl, dass das Leben nie wieder so sein wird wie vorher.

Was Trauer mit Körper und Seele macht

In der Zeit nach Lillys Tod habe ich am eigenen Leib gespürt, wie sehr Trauer nicht nur das Herz, sondern den ganzen Körper verändert.
Trauer ist nicht „nur“ ein Gefühl – sie ist ein tiefgreifender, ganzheitlicher Prozess, der auf körperlicher, emotionaler und sogar hormoneller Ebene spürbar wird.

Die körperliche Seite der Trauer

Schlafstörungen und Erschöpfung: In den ersten Nächten habe ich kaum geschlafen. Der Körper kommt nicht zur Ruhe, weil das Nervensystem im Dauerstress ist.

Appetitverlust oder -steigerung: Manche Tage konnte ich nichts essen, an anderen habe ich unbewusst zu Snacks gegriffen – der Körper sucht nach schneller Energie.

Stresshormone im Dauerhoch: Trauer erhöht den Cortisolspiegel. Das ist das gleiche Hormon, das auch bei Angst oder Überlastung ausgeschüttet wird. Ein dauerhaft hoher Cortisolspiegel schwächt das Immunsystem, kann Entzündungen fördern und sogar den Blutdruck erhöhen.

Das „Broken-Heart-Syndrom“: Manche Menschen entwickeln nach einem schweren Verlust Herzbeschwerden. Mediziner nennen das „Stress-Kardiomyopathie“ – einen realen, messbaren Effekt von seelischem Schmerz.

Die psychische Seite der Trauer

Emotionale Wellen: Trauer kommt selten gleichmäßig. Ein Moment kann ruhig sein – und im nächsten bricht alles wieder auf.

Gefühl der Leere: Lillys Platz im Alltag, ihre kleinen Gewohnheiten, ihr Blick – all das fehlte plötzlich. Selbst Routinen wie Füttern oder Gassigehen verschwinden über Nacht und reißen Lücken in den Tagesablauf.

Konzentrationsschwäche: Selbst einfache Aufgaben fühlten sich wie ein Berg an. Trauer bindet mentale Energie – oft, ohne dass man es bewusst merkt.

Schuldgefühle oder Zweifel: Habe ich richtig entschieden? Hätte ich etwas anders machen können? Diese Gedanken sind Teil der Verarbeitung, aber auch eine große Belastung.

Warum Körper und Seele zusammenarbeiten müssen

Trauer ist ein Ausnahmezustand für den ganzen Organismus. Wer nur die Seele „behandelt“ und den Körper vergisst (oder umgekehrt), verlangsamt oft den Heilungsprozess.
Mir hat geholfen, beides im Blick zu behalten:

  • Körperlich: Bewegung an der frischen Luft, gesunde Ernährung, viel Wasser trinken, ausreichend Schlaf.
  • Seelisch: Gefühle zulassen, über Lilly sprechen, Erinnerungen bewusst pflegen.
  • Ganzheitlich: Sanfte Methoden wie Atemübungen, Meditation oder ayurvedische Kräutertees zur Beruhigung von Körper und Geist.

Mein Weg zurück ins Leben – kleine Schritte der Heilung

Trauer hört nicht plötzlich auf. Sie wird nicht „abgehakt“ wie ein Termin im Kalender – sie verändert sich. Am Anfang ist sie wie eine große, erdrückende Welle. Mit der Zeit wird sie kleiner, aber sie bleibt Teil des eigenen Lebens.

Was mir sehr geholfen hat, war ein Schritt, den ich zu Beginn selbst gar nicht gehen wollte: Meine Familie überredete mich, einen kleinen Welpen aufzunehmen – Panti.
Natürlich kann er meine Lilly nicht ersetzen. Das soll er auch gar nicht. Aber er hat mir eine neue Aufgabe gegeben und mich gezwungen, wieder im Hier und Jetzt zu sein.

Welpen sind voller Energie, stellen das Haus auf den Kopf und brauchen ununterbrochen Aufmerksamkeit. Und genau das war es, was ich brauchte:

  • Ablenkung: Statt stundenlang in der Leere zu verharren, musste ich mich um diesen kleinen Wirbelwind kümmern.
  • Neue Routinen: Füttern, Spielen, Gassigehen – plötzlich hatte ich wieder feste Tagesstrukturen.
  • Lachen: Panti brachte mich zum Lächeln, manchmal sogar mitten in einer Träne.
  • Liebe geben: Es tat gut, Zuneigung zu schenken und zu spüren, wie sie erwidert wird.

Mein Fazit

Ich habe gelernt: Man kann trauern und gleichzeitig Neues zulassen. Das eine löscht das andere nicht aus – aber es kann helfen, den Schmerz erträglicher zu machen.
Lilly wird immer in meinem Herzen bleiben. Aber durch Panti habe ich wieder begonnen, nach vorn zu schauen und Momente der Freude zuzulassen, ohne das Gefühl zu haben, Lilly zu „vergessen“.

Ihr wollt noch mehr Informationen zum Thema, befindet euch vielleicht selbst gerade in der Trauerphase?

Hier sind noch einige externe Links:

https://www.spektrum.de/news/haustiere-der-schwere-abschied-vom-geliebten-hund/2105598?gad_source=1&gad_campaignid=21184433961&gbraid=0AAAAAD_c8R7nFFQZPr12k4Ryo6FShmizs&gclid=CjwKCAjw7_DEBhAeEiwAWKiCC-oa1dbOmD0sFF63-7oxavko6aLFMGkNjGPPfYmbYNpmSii-f7RaIxoCLfwQAvD_BwE

https://www.trauer-um-mein-tier.de/post/hund-gestorben-trauer-trost-bewaeltigung

You may also like...

Popular Articles...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert